Mittwoch, 31. Mai 2017

Errare humanuum est

Irren ist menschlich, das gilt natürlich auch für mich. Als Trump zum Präsidenten ernannt worden ist, dachte ich, dass er zwar mit seinem Auftreten nicht unbedingt den richtigen Ton getroffen hat, aber besonders in Hinblick auf die Beziehungen zu Russland konfliktscheuer sei als seine Kontrahentin, Hillary Clinton. Spätestens, nicht aber erst seit seinen Auftritten auf dem G7-Gipfel muss ich meine Meinung über ihn allerdings deutlich revidieren. Die Art und Weise, wie der POTUS (President of the United States) dort aufgetreten ist, war in jeder Hinsicht mehr als befremdlich. Spätestens das Verhalten dem montenegrischen Ministerpräsidenten gegenüber war sicherlich weit von der angemessenen englischen Art entfernt. Aber auch seine Rhetorik und sein Auftreten den anderen Teilnehmern gegenüber erscheint mir angesichts der aktuellen Lage und der wichtigen Themen auf dem Gipfel in keinster Weise angemessen zu sein. So ist es nicht verwunderlich, dass es Trump ist, der am Ende lediglich eine minimale Einigung auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner ermöglicht.
Der Gipfel hat aber auch wieder eine Sache deutlich gemacht: Europa muss sich meiner Meinung nach deutlich emanzipieren, und das schnell. Es kann nicht sein, dass wir uns immer wieder neu von den USA abhängig machen. Hoffentlich war dieser Gipfel ein endgültiger Fingerzeig, wohin die Reise mit einem Präsidenten Trump geht. Man darf allerdings gespannt sein, was sich der POTUS auf seinen nächsten Auftritten einfallen lässt, um die Welt zum Kopfschütteln zu bringen.

That´s all for now!

Donnerstag, 25. Mai 2017

Ergonomie und ihre Tücken

Wenn man sich mit den Produktbeschreibungen in einem bekannten Online-Versand beschäftigt, fällt einem auf, dass viele Produkte mit dem Hinweis "Ergonomisch geformt" versehen sind. In Zeiten von Gesundheitswahn und Fitnessgurus sieht es natürlich immer wieder schön aus, wenn ein Produkt darauf bedacht ist, den Körper zu schonen. Bei einigen Exemplaren geht dieser Trend meines Erachtens allerdings zu weit.

Was bedeutet "ergonomisch" eigentlich? Der Duden definiert den Begriff Ergonomie als
 "optimale wechselseitige Anpassung zwischen dem Menschen und seinen Arbeitsbedingungen"

Es geht also darum, dass ein Werkzeug oder ein Gegenstand so geformt ist, dass er möglichst perfekt an die menschliche Anatomie angepasst ist. Für viele Werkzeuge und Gebrauchsgegenstände mag es da sicherlich Unterschiede geben, wenn ich dann aber lese, dass ein Gürtel ergonomisch geformt sein soll, kommen mir ernsthafte Zweifel. 

Soweit ich weiß ist ein Gürtel ein flexibler Gegenstand, natürlich passt er sich beim Tragen an die jeweilige Körperform an. Man kann vielleicht noch argumentieren, dass einige Menschen schmalere Gürtel und andere eher breitere Gürtel tragen sollten. Wie jetzt aber so ein Gürtel nicht an den Menschen angepasst sein kann, entzieht sich meiner Vorstellungskraft. Vielleicht bin ich auch noch nicht ergonomiegeschädigt genug, um mir von solchen Auswüchsen ein Bild machen zu können, vielleicht sollten einige Hersteller ihren Ergonomiewahn jedoch etwas reduzieren, sonst entwickelt sich das Ganze zu einer EgoMANIE. Für den Fall, dass sich unter den Leser-/innen jemand mit Gürteln auskennt, freue ich mich natürlich immer über eine Erklärung des Ergonomieverhaltens von diesen modischen und sicherlich nützlichen Accessoires.

Euer Sebastian



Dienstag, 16. Mai 2017

Erreichbarkeit 2.0 - schalt doch mal ab!

Ich benutze regelmäßig den ÖPNV um mich fortzubewegen und entdecke immer wieder interessante Muster, die mich begleiten. Eines dieser Muster ist der offensichtlich ständige Drang nach Erreichbarkeit. Es ist ja keine neue Verhaltensweise, dass das Smartphone buchstäblich an unseren Fingern angewachsen zu sein scheint. Letzte Woche habe ich allerdings ein Verhalten entdeckt, das mir in dieser Ausprägung bis jetzt unbekannt gewesen ist. Eine junge Frau stieg an einer Haltestelle mit Smartphone am Ohr in die U-Bahn. Das Gespräch schien nicht wirklich weltbewegend oder wichtig gewesen zu sein. Kurz nach dem Verlassen des Bahnhofs und der damit verbundenen Einfahrt in den Tunnel brach wohl das Gespräch mangels verfügbarer Netzabdeckung ab. Was darauf geschah lässt sich am Besten mit einem Nervenzusammenbruch mit Schnappatmung beschreiben. Als die Bahn kurze Zeit später im Tunnel zum Stillstand gekommen ist, sind bei der jungen Dame wohl sämtliche Sicherungen durchgebrannt. Jedenfalls fing sie laut an zu schreien, dass sie dringend hier raus müsse, da ihre Freundin noch am Telefon sei. Die Verzweiflung der jungen Dame, mindestens 2 Minuten lang kein Smartphone nutzen zu können endete in einem Heulkrampf und einem fluchtartigen Verlassen der U-Bahn unmittelbar nachdem der nächste U-Bahnhof erreicht wurde. 

Diese kleine Anekdote stellte mich vor eine neue Frage, die mich bis heute beschäftigt: Müssen wir heutzutage wirklich 24 Stunden erreichbar sein und mit der Welt kommunizieren? Und was würde passieren, wenn wir uns hin und wieder mal mit uns selbst und unserer unmittelbaren Umgebung beschäftigen? 
Ich habe auf der weiteren Fahrt nach dem Erreichen der Oberfläche jedenfalls aus dem Fenster geschaut und die Welt beobachtet während in meinem Augenwinkel alle anderen Fahrgäste um mich herum wieder mit ihren Smartphones beschäftigt gewesen sind.

Was bleibt sind verstörende Gedanken und viele neue Denkrichtungen.

Euer Sebastian

Dienstag, 2. Mai 2017

Endlich Europa

Alles Neu macht der Mai... Wir sind endlich beim Buchstaben "E" angekommen und ich darf mir über Europa, genauer gesagt über die Europäische Union, meine Gedanken machen. Zuerst einmal eine Aussage vorweg: Ich halte die Europäische Union als Idee großartig und bin ein absoluter Befürworter einer gemeinschaftlichen europäischen Zusammenarbeit. Gerade in letzter Zeit muss ich allerdings feststellen, dass in meinen Augen Anspruch und Realität der EU auseinander driften. Da wäre auf der einen Seite der Wunsch, eine homogene Ländergemeinschaft zu bilden und auf der anderen Seite der gleichzeitige Expansionsdrang, der für neue Mitgliedsstaaten sorgen soll. Spätestens seit der letzten großen Osterweiterung sollte hier eigentlich allen Beteiligten klar sein, dass eine erneute Erweiterung sorgfältig geplant sein sollte. Besonders bei der Frage der "Spielregeln" hat die EU meiner Meinung nach dringend Nachholbedarf. Ich halte es für eine Zumutung, dass sich die Institutionen der EU in elementare Fragestellungen der Mitgliedsländer einmischen um dann wichtige Entscheidungen darüber in nicht enden wollenden Diskussionen verhindern. Bestes Beispiel hierfür ist wohl die immer noch sehr präsente Flüchtlingsfrage: Da wird über Quoten und Verteilungsschlüsses debattiert, da werden Kosten-Nutzenrechnungen aufgestellt und Grenzzäune gebaut. Und vor unserer Haustür sorgen wir mit der Unterstützung von militärischen Einsätzen dafür, dass immer mehr Menschen auf der Flucht sind. Warum können wir mehrere Mio. € für einen halbjährlich stattfindenden Umzug des Europaparlaments zur Verfügung stellen und scheitern dann bei der Aufnahme von Hilfsbedürftigen weil wir uns über die Kosten nicht einigen können?! Ein anderes Beispiel, was mir derzeit die Sorgenfalten ins Gesicht treibt, ist der Umgang mit Großbritannien nach dem beschlossenen Ausstieg aus der EU. Natürlich muss der Brexit so ablaufen, dass der Schaden für beide Seiten möglichst gering ist. So wie ich die Verhandlungstaktik der EU jedoch derzeit sehe, will man auf der einen Seite dafür sorgen, dass Großbritannien auch nach dem Austritt seinen finanziellen Zusicherungen nachkommt. Auf der anderen Seite will man die eigenen Zusicherungen an die Briten mit durchführung des "Brexit" unverzüglich einstellen. Großbritannien auf der anderen Seite scheint selber mit der eigenen Entscheidung überfordert zu sein. Anders kann ich mir die angestrebten Neuwahlen in diesem Jahr nicht erklären. Es scheint fast so, dass niemand für die nun getroffene Entscheidung die Verantwortung übernehmen möchte. Dies bringt mich zu einem letzten Punkt, der mich mit dem aktuellen Zustand der EU hadern lässt: Der gesamte Apparat ist zu undurchsichtig. Viele Entscheidungen scheinen im Schnelldurchlauf abgewickelt zu werden, ohne dass eine vernünftige Information oder Diskussion erfolgt. Zugegeben, gleiches gilt auch für die Entscheidungsfindung auf Bundes- und Landesebene, aber wenn wir im Informationszeitalter immer noch dafür kämpfen müssen, dass wichtige Eckpunkte über internationale Abkommen oder Informationen über den Entstehungsprozess von Gesetzestexten überhaupt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, läuft Einiges meiner Meinung nach nicht in die richtige Richtung. Zuletzt muss ich allerdings auch die Bürger/-innen dieser Staatengemeinschaft in die Verpflichtung nehmen. Die Instituionen der EU hatten und haben einen nicht unbedeutenden Einfluss auf uns und unser Leben. Es kann nicht sein, dass wir bei den Wahlen zum Europaparlament europaweit eine Wahlbeteiligung von unter 50% haben. Um wählen zu können, muss man natürlich informiert sein. Dazu gehört auch, dass man eine gewisse Eigeninitiative zeigt. Dieses Merkmal scheint allerdings leider bei vielen Menschen, nicht nur in dem Bereich, verschwunden zu sein. Es wird erwartet, dass alle Informationen auf dem Silbertablett serviert werden. Gleichzeitig regt man sich dann darüber auf, dass man nicht die Informationen erhält, die man gerne erhalten würde. In diesem Jahr stehen viele entscheidende Wahlen an, die auch unser Miteinander in Europa beeinflussen werden. Ich hoffe, dass sie europafreundlich ausfallen werden, vielmehr hoffe ich allerdings auch, dass wir alle erkennen, welche Chancen wir mit der Europäischen Union haben und welche Weichen wir stellen müssen um tatsächlich eine europäische Gemeinschaft zu bilden.